Flausch und Federchen

Auf ihre Ankunft zu warten war anders als darauf zu warten, dass einer aus vielen Welpen dich aussucht, weil er schlotzend deine Finger liebkost, es war anders als ein quiekendes Kätzchen aus einem mauzenden Haufen zu heben und zu wissen, das ist jetzt mein Neuzugang. Wir warteten ganz genau 21 Tage auf unsere Küken: sieben Eier, die auf 38 Grad erhitzt, unter Erics fluffigem Hühnerkörper im Heu vor sich hingewendet wurden.

Heu- und Hühnerwärme für sieben Eier.

Drei Eier hatten wir Eric von Nachbars Hühnern untergejubelt, vier Eier waren ein Mix aus dem weißen Hahn Ifirn und fünf verschieden farbigen Hennen und aus Hahn Castor und Henne Atalante. Wenn sie bereit sind zum Brüten, suchen sich Hennen ihr Lieblingsnest und setzen sich auf die Eier, die dann eben im Heu liegen. Die ein oder andere Henne hat bestimmt schon mal eine Taube ausgebrütet, es ist nie sicher, was sich nach der Wartezeit aus dem Ei pellt. Am 19. Mai knackte es das erste Mal: Ein sehr gelbes Küken mit einem schlanken Körperchen piepste uns an. Und dann lange nichts. Jede Stunde spähte einer von uns ins Nest, um ein zweites Küken auszurufen, aber nein.

Ei-ns.

Am 20. Mai starrten wir das Legenest an, als könnten wir mit unseren Blicken Eier knacken. Nichts. Auch am 21. Mai versuchten wir uns in Telekinese. Würden wir ein Küken Luke nennen, würde es wohl auch nie erfahren, wer sein Vater ist, oder erst spät im Jahr. Wir liebäugelten mit dem Namen Hahnsolo, stritten uns über Hahnrich von Kleist und einigten uns schließlich darauf, ein Küken Wilma zu nennen. Und kurz darauf rief es aus dem Hof: „Ein Zweites!“ Ein nasser gelber Ball lag im Heu und konnte sich kaum aufrichten. Als es langsam trocknete stellte sich am Köpfchen ein Backenbart auf und ließ Ähnlichkeiten mit Chewie zu. Wir warteten wieder. Und auch Eric wartete weiter auf ihren Eiern, noch drei an der Zahl. Zwei hatte sie schon vor einiger Zeit aussortiert. Aber es blieb bei den beiden Gelben. Jede Nacht schienen sie einen Entwicklungssprung zu machen, sie lernten von Eric, wie sie trinken sollten, wie ein Staubbad funktioniert, wie man sich putzt, wie man scharrt. Piepsend jagten sie Fliegen hinterher und verirrten sich jammernd im Umkreis von zwanzig Zentimetern. Da unsere Telekinese nicht funktioniert hatte, bekam das Chewie-Küken den Namen Wilma und Hahnsolo wurde Lilli getauft. Das Geschlecht lässt sich optisch nicht bestimmen, erst das Wachstum zeigt, ob ein Hahn oder eine Henne aus dem Ei kam. Erst in etwa zwei Monaten zeigt sich ob aus dem Piepsen ein Gackern oder ein Krähen wird.

Zweimal gelber Flausch.
Zutrauen gewinnen.

Es sind nun schon einige Wochen vergangen, in denen wir die beiden aus der Hand fütterten, sie zurück ins Heu setzten, wenn sie jammernd unter dem Häuschen saßen, Wochen in denen sie ihren Flausch ganz allmählich gegen Federchen tauschten. Demnächst: eine aktuelle Fotostory über Teenagerhühner und ihre täglichen Kapriolen. Sie werden einfach viel zu schnell groß.

Federtiere

Die Mai-Katze…

… sollte ja eigentlich Piri sein, wie sie an einem Löwenzahn schnuppert oder so. Aber Piri traut sich gerade nicht aus dem Haus. Hier ist der Grund:

Auf dem Hof hüpfen, noch sehr ungelenk, zwei Amseljunge rum, die von ihren Eltern scharf bewacht werden. Sobald Piri den Hof betritt, gibt es großes Gezeter und Amsel-Tiefflüge. Also bleibt sie lieber drin. Sogar ich hatte fast einen wütenden Amselvater im Haar, als ich das Foto gemacht habe…

Der März beim fachwerkhuhn

Gestellter Arbeitsunfall

… hat, wie man auf dem Foto oben sieht, viel Gutes gebracht. Lukas und ich haben die alte Hobelbank vom Heuboden geholt und in den Pferdestall gebracht.* Und auch noch ein altes Schreibpult, indem wir unsere Elektrowerkzeuge lagern. Langsam wird es eine richtige Werkstatt!

Noch sind die Elektrowerkzeuge vor dem Schreibpult…

Den Rest des Monats war ich allerdings unterwegs: jedes Wochenende hatte ich was vor! Es waren lauter tolle Sachen.

Anfang des Monats waren wir bei einem Workshop zu nachhaltigen Festivals vom Musikland Niedersachsen (dazu später mehr).

Ich habe einen Schmiedekurs bei Kiki Sting in Brunkensen gemacht. Ich war sehr erstaunt, wie schnell man (unter fachkundiger Anleitung) ziemlich coole Sachen hinbekommt.

Schmieden einer Spirale

Dann war ich mit der ganzen Familie ein verlängertes Wochenende in Paris, weil meine Nichte ihren vierten Geburtstag gefeiert hat (sie wohnt in Villejuif). Es war schön, alle wiederzusehen, viel zu essen und Paris anzugucken.

Hier war ich in den Galeries d’Anatomie comparée.
Mit der Blümchentapete im Hotel war es fast wie Zuhause!

Am Wochenende drauf war ich dann mit vielen sehr coolen und supernetten Frauen vom Tischlerinnen-Netzwerk in Alfhausen bei Johanna Röh – noch eine Tischlerin. Ich habe ein bisschen Stecheisen-Schleifen gelernt und mir die Maschinen in der Werkstatt erklären lassen. Spannend!

Ich war also sehr ausgelastet, und bin dann doch auch froh, dass der April etwas entspannter wird, bevor wir im Mai mit dem ersten Bauwochenende wieder richtig durchstarten. Da wird es auch um die Werkstatt gehen.

*Und weil gerade unser ordentlicher Holzstapel in einem Sturm umgefallen war, haben wir die Gelegenheit genutzt, einen Arbeitsunfall zu stellen. So macht man es nicht!

Der Februar beim fachwerkhuhn

… war recht erfreulich! Wir hatten noch nie so viele Übernachtungsgäste, zum Beispiel! Das macht immer wieder Spaß, weil man meist interessante Leute kennen lernt. Und dann ist auch unser Lieblingsmitbewohner Alaa wieder da (und hat am 18. März seine Fachsprachprüfung. Daumen drücken!), und, wenn es klappt, gibt es ab Ende März noch eine neue Mitbewohnerin. Volles Haus!

Außerdem war es, wie überall, ganz schön warm für den Februar, so dass ich wieder anfangen konnte, einen Nachmittagskaffee auf der sonnenbeschienen Hoftreppe zu trinken (und mir dabei intensive Gedanken zum Klima zu machen…).